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Zusätzliche Gesundheitsscreenings beim Labrador Retriever ab 01.05.2016
               
Warum diese Änderung notwendig geworden ist?
Der Gesetzgeber verbietet im Österreichischen Tierschutzgesetz § 5 sogenannte Qualzüchtungen. Zusätzlich dazu hat der ÖKV das Projekt Konterqual ins Leben gerufen. Dies schreibt klar vor, dass Maßnahmen bei betroffenen Rassen gesetzt werden müssen, die zu einer gesundheitlichen Verbesserung und damit zu einem Freisein von Symptomen, die unter dem Begriff Qualzucht angeführt sind, führen. Sollten keine oder unzureichende Maßnahmen gesetzt werden, so drohen ab dem Jahr 2018 Zucht- und Halteverbote für bestimmte Rassen.
Scharfe Worte, die keinen ÖRC-Züchter unberührt lassen sollten.

Wir sind beim Labrador Retriever auf einem guten Weg. Ein einheitliches Screening auf HD, ED und OCD-Schulter, die klinische Augenuntersuchung und der Gentest auf prcd-PRA gehören seit Jahren zum „Gesundheits-Standardprogramm“ eines jeden Zuchthundes. In den letzten Jahren etablierten sich am Markt zusätzlich Gentest auf verschiedene erbliche Krankheiten, die auch den Labrador Retriever betreffen können. Glücklicherweise sind diese Krankheiten noch nicht weit verbreitet und mit Hilfe eines einfachen Bluttests können Züchter nun so ihre Verpaarungen planen, dass in Zukunft diese Krankheiten nicht zu einer ernsthaften Bedrohung für die Rasse werden.

Deshalb gilt für Deckungen ab 01.05.2016 für den Punkt Gentests in der ZEO für Labrador Retriever :

Es darf gezüchtet werden mit Hunden die einen Befund "normal", "carrier" oder
"affected" aufweisen.

a)  Beide Elterntiere einer Verpaarung müssen einen Gentest auf prcd-PRA  beibringen, wobei zumindest ein Elterntier den Befund „normal“ aufweisen muss.
b)  Zumindest ein Elterntier muss einen Gentest auf EIC, CNM und HNPK beibringen, der den Befund „normal“ aufweist.

Der genetische Zustand der Nachkommen aus „normal“ X „normal“ Paarungen und Nachkommen aus „normal“ X „affected“ Paarungen kann über Erbgang bestimmt werden. Ihr genetischer Zustand ist klar.

Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass dies keineswegs eine Beschränkung des Genpools bedeutet. Selbstverständlich bleiben alle Hunde auch weiterhin in der Zucht. Es geht auch nicht darum einen Hund nun aufgrund eines „carrier“ oder „affected“- Ergebnisses schlecht zu machen.
Es geht lediglich darum, dass in Zukunft keine affected-Welpen mehr, bei diesen im Vormarsch befindlichen Erkrankungen, mehr geboren werden. Sehen wir das als Chance noch mehr für die Gesundheit, dem höchsten Gut unserer Hunde, zu tun.

Die Erbkrankheiten beim Labrador… die Sache mit den Gentests…

Damit man sich ein Bild davon machen kann, welche Krankheiten beim Labrador genetisch vererbbar sind und warum es wichtig ist, bei der Zucht die Verpaarung sorgfältig zu wählen...

Es handelt sich bei den folgenden Erkrankungen um Erbkrankheiten, deren Erbgang bekannt ist. Deshalb ist es durch den entsprechenden Gentest möglich gesunde (N/N – normal - clear), Träger (carrier) und erkrankte (affected) Hunde zu erkennen.
"Affected" Hunde können zum Zeitpunkt des DNA-Gentests noch völlig symptomlos sein, werden aber mit großer Wahrscheinlichkeit erkranken. Je nach Krankheit zeigen 80 – 100% der Affected-Hunde die Krankheitssymptome im Laufe ihres Lebens.
"Carrier" Hunde können niemals selbst an der entsprechenden Erbkrankheit erkranken!

Wenn bei einer Verpaarung mindestens ein Partner als "normal/clear" getestet ist, können die daraus entstandenen Welpen niemals selbst an der entsprechenden Erbkrankheit erkranken!

Eine Ausnahme stellt prcd-PRA da - hierzu lesen Sie weiteres bitte unter dem entsprechenden Punkt unten.

Mittlerweile ist der Erbgang bei vielen Erbkrankheiten lückenlos erforscht. Der Markt bietet für den Labrador Retriever mittlerweile an die 20 verschiedenen Gentests auf die unterschiedlichsten erblichen Krankheiten an, wobei man zum jetzigen Zeitpunkt (Stand Jänner 2016) ausgehen kann, dass „nur“ fünf dieser Erkrankungen „relevant“ sind. Zum jetzigen Zeitpunkt!!! Diese Krankheiten stellen einen „Carrier“-Anteil bis zu 30% - 50% je nach Krankheit, Zuchtrichtung, Linien, Länder usw. und auch der „Affected“-Anteil reicht bereits bis zu 3%- 15% der Gesamtpopulation.
Alle weiteren Krankheiten, für die es bereits einen Gentest gibt, weisen glücklicherweise DERZEIT eine extrem geringe Erkrankungsrate von nahezu  0% auf, müssen aber auf alle Fälle in Zukunft weiterhin beobachtet werden.

Zu den am häufigsten auftretenden Krankheiten, für die bereits ein Gentest entwickelt wurde, gehören die prcd-PRA, EIC, CNM, und HNPK

prcd-PRA (progressive red-cone degeneration form of Progressive Retinal Atrophy) --> Progressive Retina Atrophie - Netzhautdegeneration
Bei dieser Erbkrankheit degeneriert (bildet sich zurück/entartet) die Netzhaut (Retina) des Auges nach und nach. Dies führt zur völligen Erblindung des Tieres. Die prcd-PRA stellt die beim Labrador häufigste Form der PRA dar, die zur Erblindung führt. prcd-PRA - „clear“ und -„carrier“ können deshalb, wenn auch extrem selten, an PRA erkranken. Deshalb ist die klinische Augenuntersuchung auf PRA nach wie vor unerlässlich.
Die Erkrankung kann zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr auftreten.

CNM (Centronuclear Myopathy) oder HMLR (Heredity Myopathy of Labrador Retrievers) --> Myopathie
Der Begriff Myopathie umfasst sämtliche Erkrankungen der Muskeln, ob tumorbedingt, toxisch, ernährungsbedingt, entzündlich, metabolisch oder ererbt.
Bei der erblichen Myopathie – CNM, früher auch benannt als HMLR,  ist ein großer Teil der Skelettmuskeln zerstört. Ein typisches Symptom ist generalisierte Muskelschwäche. Betroffene Hunde sind nur schwach belastbar und kollabieren schnell, wenn sie der Kälte ausgesetzt werden. Unter Belastung tritt Muskelatrophie auf, die teilweise auch die Kopfmuskeln betrifft. Erste Symptome werden im Alter zwischen sechs Wochen und sieben Monaten beobachtet.

EIC (Exercise Induced Collapse) --> Belastungsinduzierter Kollaps
EIC ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die sich in verschiedenen Ausprägungen zeigen kann. Die Ausprägung der Erkrankung  ist recht unterschiedlich und reicht von einem schaukelnden Gang bis hin zum Kollaps nach 5-10 Minuten anstrengender Bewegung. Die meisten Hunde sind während eines Kollaps bei Bewusstsein und versuchen trotz der Hinterhandschwäche weiter zu rennen. Bei manchen Hunden führt es jedoch zu Gleichgewichtsstörungen und Desorientierung, bis hin zur Bewusstlosigkeit.

HNPK (Hereditäre Nasale Parakeratose) --> erblicher Gendefekt des Nasenbereiches
Dieser Gendefekt bewirkt, dass die Hundenase, bzw. die Hautschicht der Hundenase, austrocknet. Diese Austrocknung führt im weiteren Verlauf dazu, dass sich vor allem auf der oberen Seite des Nasenspiegels eine trockene, bröckelige Hautschicht bildet, die mit der Nase verbunden ist und sich somit nicht ablösen lässt. Bedingt durch die trockene, krustige Haut können sich Risse bilden, die Haut platzt auf und durch diese Verletzungen, können eindringende Bakterien sekundäre Infektionen auslösen. Mit entsprechenden Medikamenten kann dem betroffenen Hund Linderung verschafft werden, aber keine Heilung! Die ersten Symptome dieser Erkrankung zeigen sich im Alter zwischen neun und 12 Monaten.


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