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Ablauf des ÖRC-Wesenstests mit angeschlossener Zuchtschau

Voraussetzungen

Gemäß dem Beschluss des Vorstandes des ÖRC vom 26.8.2000 ist ab 1.1.2001 zur Zuchtzulassung die Absolvierung des Wesenstests des ÖRC mit angeschlossener Zuchtschau oder die Ablegung der JBP/R, BLP, VGP oder Working Test L (Novice) mit Wasserarbeit erforderlich.

Der Test ist so ausgelegt, dass es jedem Retrieverbesitzer ohne große Vorübungen möglich sein sollte, mit seinem Hund den Test zu absolvieren. Eine sehr gute Bindung zwischen Besitzer und Hund ist deshalb erforderlich. Der Besuch einer Welpenspielgruppe bzw. eines Junghundekurses sowie eine intensive Beschäftigung mit dem Welpen bzw. Junghund wird in diesem Zusammenhang empfohlen.

Nur eine Person darf den Hund während des Tests führen. Ein Wechseln der Hundeführer während des Tests ist nicht gestattet. Zuschauer sind nicht gestattet.

Jeder Hundeführer haftet für die Schäden, die durch ihn oder seinen Hund verursacht werden.

Altersbegrenzung: zum Wesenstest sind Retriever im Alter von mindestens 9 Monaten bis zum vollendeten 4. Lebensjahr zugelassen.

Läufige Hündinnen sowie Hunde, die unter Einfluss von Medikamenten stehen und/oder anderen tierärztlichen Eingriffen (z. B. chemische Kastration, Chip-Kastration, Psychopharmaka und dergleichen) unterzogen wurden, sind zum Wesenstest nicht zugelassen. (beschlossen durch den ÖRC-Vorstand am 13.01.2013)

Wiederholung: Bei Nichtbestehen ist die Wiederholung des Wesenstests noch 2 Mal bei jeweils einem anderen Richter möglich. Retriever, die den Wesenstest 3 Mal nicht bestanden haben, können im ÖRC keine Zuchtzulassung erlangen. (beschlossen durch den ÖRC-Vorstand am 22.07.2012).

Retriever, die bei 2 Wesenstests den Ausschlussgrund "Aggression" erhalten, können im ÖRC keine Zuchtzulassung erlagen und erhalten eine Veranstaltungssperre im ÖRC (beschlossen durch den ÖRC-Vorstand am 22.07.2012).

Zuchtrelevante Eigenschaften und Sinn des Wesenstests

Sinn und Zweck des Wesenstests ist es, typische Vertreter einer Rasse zu erkennen und Tiere mit fehlenden oder unerwünschten Veranlagungen von der Zucht auszuschließen.

Erwünschte Wesensmerkmale:

Selbstsicher, freundlich, vertrauensvoll, aufmerksam, interessiert, spielfreudig, gute Führer-Hund-Beziehung (Bindung), guter Beute- und Bringtrieb, effektive Witterungsaufnahme, wasserfreudig und schusssicher.

Unerwünschte Wesenseigenschaften:

Misstrauisch, unsicher, ängstlich, aggressiv, kein Spieltrieb, schlechte oder keine Führer-Hund-Beziehung (fehlende Bindung), kein Beute- und Bringtrieb, keine Witterungsaufnahme, wasserscheu und schussscheu.

Anmeldung zum Wesenstest

Bis zur Fertigstellung der Internetanmeldung gilt folgende Vorgangsweise:

Das Anmeldeformular und der Fragebogen können von der ÖRC-Website, Rubrik Wesenstest
herunter geladen werden.

Wir ersuchen, beide Formulare genau zu lesen, auszufüllen und sodann mit einer Kopie des Einzahlungsbelegs per Post oder Email an die Organisationsstelle (derzeit: Beatrice Swoboda, 2380 Perchtoldsdorf, Sebastian Kneipp-Gasse 32, wesenstest@retrieverclub.at) zu senden.
Auf dem Anmeldeformular finden Sie auch die Einzahlungsmodalitäten.

Anmeldeschluss: 4 Wochen vor dem Wesenstest
Ca. 2 Wochen vor dem Wesenstest erhalten Sie per Post oder per Email eine Zuschrift mit einer Wegbeschreibung zum Veranstaltungsort sowie die ungefähre Beginnzeit.
                                                             
Ablauf des Wesenstest mit angeschlossener Zuchtschau

Damit Sie sich vorstellen können, was Sie beim Wesenstest erwartet, haben wir im Folgenden einen ungefähren Ablauf für Sie beschrieben.  Der genaue Ablauf wird vor jedem Wesenstest  von den Richtern auch unter Berücksichtigung des zur Verfügung stehenden Geländes festgelegt.
Im Nachstehenden zeigen wir Ihnen eine mögliche Ablauf-Variante, um Ihnen den Zugang zum Wesenstest zu erleichtern und Ihnen im Vorfeld die Nervosität zu nehmen:

Nehmen Sie sich an diesem Tag für Ihren Hund genügend Zeit und kommen Sie rechtzeitig zum Treffpunkt, damit Sie mit Ihrem Hund noch gemütlich spazieren gehen können und nicht direkt aus dem Auto zum Wesenstest hasten müssen.
Bitte haben Sie aber Verständnis, wenn Sie möglicherweise etwas warten müssen.
Oft brauchen Richter etwas länger, um einen Hund beurteilen zu können bzw. hat bei dem einen oder anderen Hund nicht alles auf Anhieb geklappt und er braucht mehr als eine Chance.

Anmeldung

Sobald Sie am Veranstaltungsgelände einlangen, melden Sie sich bitte bei der Anmeldung.
Dort erhalten Sie für Ihren Hund ein farbiges Halsband und einen Anstecker in derselben Farbe, den Sie bitte gut sichtbar an Ihrer Kleidung anbringen. Außerdem erfolgt hier die erste Chipkontrolle.
Bei der Anmeldung können Sie erfahren, ob die vorgesehene Startzeit eingehalten werden kann oder wie lange eine mögliche Wartezeit sein wird.

Die Teilnehmer sind in Gruppen eingeteilt, die wenn möglich aus Rüden und Hündinnen verschiedener Retriever-Rassen bestehen sollen. Die Richter werden den Gruppen zugelost.

Von der Anmeldung werden Sie von Ihrem Richter abgeholt.

Bitte beachten Sie, dass während des ganzen Ablaufs des Wesenstests Ihr Retriever unter Beobachtung durch den Wesensrichter steht (also auch in den Wartephasen), damit sich der Richter ein Gesamtbild von dem Hund machen kann.

Vorgespräch

Hat der Wesensrichter die Gruppe übernommen, wird er sich kurz bei Ihnen vorstellen und für jeden Hund den Fragebogen durchgehen.
Sie haben jetzt die Möglichkeit den Richter auf Dinge hinzuweisen, die für den Wesenstest von Bedeutung sein können: hatte Ihr Hund einmal ein besonders schlechtes Erlebnis mit Menschen, Artgenossen oder in einer Umweltsituation? Steht Ihre Hündin vor der Läufigkeit oder war sie vor kurzem läufig? All das und ähnliches kann das Verhalten Ihres Hundes beeinträchtigen und das sollte der Wesensrichter wissen, damit er auf Ihren Hund eingehen kann.

Die einzelnen Stationen

Formwert(Zuchtschau) – Kennzeichnungskontrolle
                                                       
Der Wesensrichter führt die Gruppe in den Formwertring. Hier wird Ihr Hund von einem anerkannten FCI-Formwertrichter in Bezug auf sein äußeres Erscheinungsbild und den Rassestandard beurteilt.
Der Wesensrichter wird das Verhalten des Hundes gegenüber dem Formwertrichter beobachten.
                                                    
Der Hund sollte flüssig laufend vorgeführt werden und einige Minuten ruhig stehen. Außerdem sollte die Gebiss- und Hodenkontrolle problemlos durchgeführt werden können.
Während des Trabens im Ring werden  ein bis drei Schüsse aus einer Distanz von etwa 25 – 30 m abgegeben.

Hunde, die keinen Formwert benötigen:

Diese Hunde müssen trotzdem in den Formwertring, um dem Wesensrichter die Reaktion der Hunde  bei den Schüssen und auf das Berühren durch die Fremdperson (Zahn- und Hodenkontrolle durch den Formwertrichter) zu ermöglichen. Die Formwertbeurteilung jedoch entfällt.

Nach Beendigung der Formwertbeurteilung werden in einem kleinen Ring, der an den Formwertring anschließt, vom Wesensrichter oder einem Helfer die Chipnummern kontrolliert.

Verhalten gegenüber Artgenossen

Alle Hunde einer Gruppe dürfen (sollen) im Rahmen eines kurzen Spaziergangs gemeinsam mit den Hundeführern und dem Wesensrichter unangeleint in der Gruppe laufen und miteinander spielen. Sie sollten dabei weder ängstlich, unsicher oder gar aggressiv reagieren.

Sozialverhalten und Spieltrieb 

Bei dieser nächsten Station wird das Sozialverhalten ihres Hundes gegenüber Menschen
(Hundeführer bzw. Fremdpersonen, Richter) und Hunden, sein Spieltrieb und seine Apportierfreudigkeit geprüft. Er sollte dabei weder unsicher, noch misstrauisch ausweichend, weder ängstlich, noch aggressiv reagieren. Sie sollten in der Lage sein, ihren Hund mit und ohne Gegenstand zum Spiel zu motivieren.

Schussfestigkeit, Beute- und Bringtrieb  

Als nächstes wird die Schussfestigkeit bzw. der Beute- und Bringtrieb getestet. Alle Teilnehmer der Gruppe stellen sich in einer Linie auf und setzen sich auf das Zeichen des Wesensrichters in Bewegung. Ebenso auf Kommando des Wesensrichters hält die Gruppe an.

Ein Schuss wird abgegeben, ein Dummy wird gleichzeitig eingeworfen. Ein vom Wesensrichter bezeichneter Hund muss nun das Dummy holen und zu seinem Führer zurück bringen. Dieses Vorgehen wird für jeden Hund der Gruppe wiederholt.

Anstelle dieser Station können auch Elemente vorhergehender Stationen (Spiel mit dem Hund, Schuss und Beute- und Bringtrieb) zusammen gelegt werden. Hier wird dann jeder Hund einzeln getestet, um eine bessere Beobachtung zu gewährleisten.

Dazu wird noch bemerkt, dass bei dieser Station das Hauptaugenmerk auf  Beute- und Bringtrieb gelegt wird und nicht auf sauberes, korrektes Apportieren.

Umwelteinflüsse (optisch und akustisch)
(Überprüfung der Reaktion des Hundes auf Umwelteinflüsse)

Der Hund wird mit verschiedenen optischen und akustischen Situationen des Alltags konfrontiert. Es sollen außerdem sich bewegende Menschengruppen eingesetzt werden, die den Hund streicheln und angreifen. Diesen sollte er gelassen und selbstsicher begegnen.

Diese Station kann ständig neu gestaltet werden und wird bei jedem Test zwischen anderen Stationen positioniert.

Witterungsaufnahme - Nasenarbeit

In einem Gebiet werden 4 mit Duftstoff versehene Dummys oder Niederwild (Hase, Fasan, Ente) ausgelegt werden. Es kann von Test zu Test variiert werden. Wesentlich ist, dass der Hund das Dummy wittert und anzeigt.

Wasser

Zum Abschluss darf der Hund ins Wasser. Er muss mit oder ohne Beute schwimmen.
Ein Retriever, der nicht schwimmt, kann nicht bestehen (Vorstandsbeschluss vom 17.10.2009).

Besprechung
Am Ende des Tests bespricht der Wesensrichter mit dem Hundeführer die Bewertung.

Lt. Vorstandsbeschluss des ÖRC vom 23.01.2010 müssen zum Bestehen des Wesenstests mindestens 80 von 99 möglichen  Punkten erreicht werden.

Das Ergebnis wird für ÖRC-Mitglieder in das grüne Leistungsheft eingetragen. Die Bewertungsbögen werden per Post zugesandt. Nicht-Mitgliedern werden die Bewertungsbögen ebenfalls per Post übersandt.

Das Richterurteil ist definitiv und unanfechtbar.

Beleidigungen des Richters bzw. des Organisationspersonals können zu disziplinären Maßnahmen führen.
                                                                 
Schlussbemerkung

Sollte ein Hund im Zuge des Prüfungsverlaufs bedingt durch Stress oder Angst offensichtlich überfordert sein, ist der Richter berechtigt, den Wesenstest im Sinne des Tierschutzgesetzes abzubrechen und der Test gilt als nicht bestanden.

Fotos: Manfred Bluska


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